Gepostet: 19.06.2022 17:52 Rückendeckung für die Parteichefin: Hinter Toni Chrupalla und Alice Weidel nahmen die Vorsitzenden von fünf Landesverbänden und der Ehrenvorsitzende der AfD Alexander Gauland demonstrativ ihre Anwesenheit zur Kenntnis. Foto: Sebastian Kahnert (Keystone/DPA) Die AfD hat den Bundesparteitag nach einer hitzigen Debatte über einen Europabeschluss vorzeitig beendet. Am späten Sonntagnachmittag stimmten im sächsischen Riesa 55,65 Prozent der Delegierten für den Abriss, 44,35 Prozent waren dagegen. Der Anführer des Komplexes Tino Chrupala sprach von einem “sehr umstrittenen Tag”. Er hoffe aber, dass die AfD nach der Wiederwahl ihres Vorsitzenden ein “Aufbruchsignal” nach außen senden könne. Auslöser der Kontroverse war eine EU-kritische Resolution mit dem Titel „Reviewing Europe“. Besonders kritisch wurde von Vertretern aus dem Westen kritisiert, dass die Resolution eine Annäherung an Russland forderte, ohne den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zu erwähnen. Die Vorlage bezog sich nur auf den „Konflikt in der Ukraine“.
Abgeordnete stürzen die Parteiführung
AfD-Rechtsaußen Björn Höcke warb für den Text. Die erst am Vortag neu gewählte Doppelspitze Alice Weidel und Chrupalla hat sich gegen den Widerstand vieler Delegierter dafür ausgesprochen, sie in der jetzigen Form nicht zu verabschieden. Chrupallas Antrag wurde jedoch mit 210 zu 208 Stimmen abgelehnt. Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk kritisierte, die neue Doppelspitze werde bereits einen Tag nach ihrer Wahl „aufgelöst“. Die Hoffnungen vieler Parteianhänger auf eine Konsolidierung der AfD nach langem internen Streit erfüllten sich auf dem Parteitag nicht. Während der zweistündigen, hitzigen Debatte konnte die Parteispitze ihren Vorschlag erst nach mehreren erfolglosen Versuchen, den Gesetzentwurf zur weiteren Beratung an den Bundesvorstand zu verweisen, voranbringen. Chrupalla sprach von einer “wirren Lage”. Auf der Bühne des Parteitags wurde er von den Vorsitzenden von fünf Landesverbänden, Weidel und dem Ehrenvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland, demonstrativ unterstützt: Sie stellten sich hinter Chrupalla, als er sich für einen Wechsel in den Bundesvorstand einsetzte.
Die Delegierten sprechen über „Scham“, „Streich“, „Trauma“
Viele Delegierte drückten in ihren Reden ihre Frustration über den Verlauf der Debatte aus. „Wir schämen uns jede Minute“, sagte ein Sprecher. Ein anderer sagte: „Es lässt uns vor den Medien, dem Wähler und vor uns selbst lächerlich aussehen.“ Ein anderer äußerte die Angst, „den Weg der Auflösung zu gehen“. Mehrere Vertreter bezeichneten den Verlauf der Debatte als “Farce”. Einer der Verfasser des Europa-Vorschlags gab zu, dass die Debatte eine „Wunde“ in der Partei hinterlassen habe. Angesichts der starken Stimmung im Saal warnte der Versammlungsleiter die Delegierten: “Bitte, wir schreien uns nicht an.” Weidel sagte in ihrer Rede, dass die Entschließung mit dem Titel „Reviewing Europe“ grundsätzlich in die richtige Richtung gehe, sprachlich aber „nicht sehr erfolgreich“ sei. Der Text enthalte „sehr vage Sätze, die zu sperrig klingen“. AFP / anf Gepostet: 19.06.2022 17:52 Haben Sie einen Fehler gefunden? Jetzt melden. 39 Kommentare